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Berlin, the Green Metropolis by the Water
| 19-10-2009 Von Katja Hassenkamp Nahezu ein Drittel des Berliner Stadtgebietes wird von Grünfläche bedeckt - Wälder, Wiesen, Seen. 197 Kilometer befahrbare Wasserstraßen durchziehen den Großraum Berlin und 80.000 Laubenpieper, wie hierzulande die Kleingärtner heißen, pflegen liebevoll ihre Rabatten. Seit der Wende kann sich der Naturfreak entlang des ehemaligen Mauerstreifens das „jrüne” Berlin auch erradeln. Auftakt für den Berliner Mauer-Radweg sollte die Mühlenstrasse sein, wo das längste erhaltene Mauerstück der Stadt steht. Künstler haben es nach der Wiedervereinigung auf dem östlichen Teil bemalt. Heute ist ein kleines Stück der East Side Gallery renoviert, wie z. B. der Trabi der durch die Mauer bricht nach dem Motto „Test the Best”. Dann führt die Route über die Oberbaumbrücke unter der einst die DDR-Grenzboote patrouillerten, denn die Teilung verlief in der Spree. Heute schweift der Blick zu den Molecul Man, drei durchlöcherten überdimensionalen Aluminiumplastiken, die auf dem Wasser zu schweben scheinen. ![]() Treptower Park © visitBerlin.de Von Treptow nach NeuköllnEin Abstecher führt in den Treptower Park, wo am Sowjetischen Ehrenmahl die Berliner Geschichte der letzten Kriegtage auflebt. Das riesige Denkmal wurde zur Erinnerung an die „Schlacht um Berlin” errichtet, bei der 5000 sowjetische Soldaten ums Leben kamen. 1994 verabschiedeten der deutsche Bundeskanzler und Boris Jelzin hier symbolisch die sowjetischen Besatzungsmacht und machten Berlin damit wieder zu einer „normalen” Stadt. Zurück in der Kiefholzstraße, wo einst die Mauer verlief, entdeckt der Radler heute eine ausgebaute Straße mit Fahrradweg und Chausseebäumen, an die sich eine Kleingartenanlage an die andere reiht. „Zufriedenheit”, „Märkische Schweiz” und „Sorgenfrei”... sind kleine grüne Oasen, die auch nach der Wende weiterhin liebevoll gehegt und gepflegt werden. Inzwischen haben Blumenbeete die Salatköpfe abgelöst und statt Kartoffeln bauen die Laubenpieper heute Zierpflanzen an. Auf der Höhe der „Fortuna” -Anlage biegt der Mauer-Radweg querfeldein ab, folgt dem sogenannten Kolonnenweg und erreicht über den Heidekampgraben den alten Grenzübergang Sonnenallee. Wild wachsendes Grün steht im Gegensatz zu gepflegten kleinen Parkanlagen - hüben und drüben der ehemaligen Grenze ist an dieser Stelle noch zu erkennen. Hier grenzt Treptow an Neukölln und wo heute kleine Holzbrücken die beiden Stadtteile verbinden, verlief einst vermintes Niemandsland. Mit der Britzer Allee geht es über den gleichnamigen Verbindungskanal. Eine beschauliche Wasserstraße, die nach nirgendwo zu führen scheint und an deren Ufern die Gartensiedlung „Daheim” mit üppig wuchernden Rosen liegt. Dann kommt der breitere Teltowkanal, der den östlichen Müggelsee an die westlichen Havelseen anbindet und quer durch die südlichen Stadteile von Berlin führt - Britz, Mariendorf, Steglitz, Teltow... ![]() Strandbad Wannsee © visitBerlin.de Entenweiher und KönigsforstSzenenwechsel: S-Bahnhof Lichterfelde-Süd und der Einstieg in den Mauer-Radweg in Richtung Wannsee. Auf der Höhe der Kantstraße tut sich im ehemaligen Mauerstreifen eine doppelreihige Kirschbaumpflanzung auf. Sie wurde von japanischen Bürgern gestifftet, um die Überwindung der Teilung Berlins zu begrüßen. Etwas weiter trifft die als „Rad-Wanderweg Teltow” ausgeschilderte Route erneut auf den Teltowkanal, der hier von lichtem Birkenwald und dichtem Schilf gesäumt wird. Ab und zu tuckert ein Lastkahn vorbei, ansonsten begleitet nur lautes Vogelgezwitscher die Fahrt. Sie führt unter einem hohen Baumdach durch idyllisches Grün, führt am Flüsschen entlang bis zu einem kleinen Weiher: Enten dösen behäbig vor sich hin, während Wasserhühner geschäftig durch überhängende Wasseriris huschen - Naturidylle nur zwei Schritte von Kleinmachnow entfernt! Später wird es schwierig der alten Mauerschneise zu folgen: Wo früher der Weg über die ehemalige Stammbahn - die erste Eisenbahn Berlins - führte, sind jetzt Bagger zugange, die den alten Grenzübergang Dreilinden mit modernen Zubringerschleifen ausstatten sollen. Mühsam ist im Wald eine Brücke über die Autobahn auszumachen, aber gleich dahinter taucht der Weg wieder in tiefe Natur. Auf federndem Waldboden radeln wir über den Königsweg in Richtung Kohlhasenbrück. Tannen und Kiefern haben den Birkenwald abgelöst und es duftet nach Moos und feuchtem Holz. Sauber aufgeschichtete Holzstämme zeugen von der fortswirtschaftlichen Nutzung des ehemals wild wucherndeAreals. Vereinzelt zweigen schnurgerade Waldwege ab und führen ins vornehme Wohnviertel Nikolassee oder ins weniger vornehme StrandbadWannsee. ![]() © visitBerlin.de Ausklang mit Blick über den SeeEin letztes Wegestück führt steil bergab und dann liegt schon wieder der Teltowkanal zu unseren Füssen. An seinem Ufer stehen schräg unter der Nathanbrücke bunte Fischerhütten vor denen grobe Netze hängen und blaue Holzbarken festgemacht sind - Angleridylle in Deutschlands neuer Hauptstadt. Die hier eher die Allüren einer Freizeitregion, denn einer Metropole hat und mit schmuckenAusflugslokalen lockt: Im Forsthaus mit Blick über den Kanal, im Biergarten mit Blick über den See, oder im Blockhaus Nikolskoe vis à vis der berühmten Pfaueninsel. Bestellen sollte man sich zuerst einmal eine kühle Berliner Weisse - je nach Geschmack mit einem roten Schuss Himbeersirup, oder einem grünen Schuss Waldmeister - die nach der Radtour doppelt gut schmeckt. Dann gibt es nachmittags natürlich die berühmten Berliner Pfannkuchen für den kleinen Hunger auf Süsses. Salzig kommt die Boulette daher, die eine uralte Berliner Variante des gängigen Hamburgers ist. Für den größeren Hunger gibt es Deftiges: Eisbein mit Sauerkraut oder Schweinekamm Berliner Art und je nach Jahreszeit Teltower Rübchen oder frischer Beelitzer Spargel. Dazu bleibt man am besten beim Bier: Schultheiss oder Berliner Kindl. Mehr zu diesem ThemaRadfüher: Berliner Mauer-Radweg im Esterbauer-Verlag |



