 | Von Birgit Kölgen
| Der Autojournalist, Schriftsteller, Abenteurer und Oldtimer-Sammler Fritz B. Busch ist heuer 80 Jahre alt geworden. In seinem Auto-Museum im oberschwäbischen Wolfegg stehen 120 Autos aus dem ganzen letzten Jahrhundert, dazu Motorräder, Traktoren, Wohnwagen. Jeder kann hier seine eigene Erinnerung finden. Vielleicht war es ja genau so eine eierschalenfarbene Isabella von Borgward, in der Mama einst so schick aussah, während man als Kind der Wirtschaftswunderzeit stolz auf dem Notrücksitz saß. Interview mit dem „Oldie” Busch, der immer noch Gas gibt, charmant und streitbar. |    | ViaMichelin: Herr Busch, selbst Leute, die überhaupt nichts von Motoren verstehen, haben Freude an Ihrem Museum, das nicht nur Autos zeigt, sondern auch Anekdoten erzählt. Dazu spielt die passende Musik. Wie ist es Ihnen gelungen, die PS-Geschichte mit der kollektiven Erinnerung zu verbinden? Fritz B. Busch: Schauen Sie, ich habe mir gesagt, du musst die Leute unterhalten. Die meisten Museen dieser Art schreiben an das Objekt nur Hubraum, Baujahr, technische Fakten. Ich erzähle eine Geschichte, damit das Fahrzeug einen Zeitbezug bekommt, damit sich die Besucher denken, ach ja, unser Kohlenhändler, der fuhr genau so ein Dreirad, und mein Opa, der hatte so eine Isetta. In eines jeden Menschen Leben hat ein Fahrzeug wie eine Melodie eine gewisse Rolle gespielt. Die einen haben darüber ihren ersten Freund kennen gelernt, Ehepaare haben damit ihre erste Italienreise gemacht, und diese Erinnerungen werden bei mir wieder belebt.
Kurz zur Geschichte des Hauses: Wie kamen Sie als weltläufiger Hamburger Journalist auf die Idee, in einem oberschwäbischen Dorf ein Automuseum zu eröffnen? Nun, ich war 14 Jahre lang Autotester beim „Stern” unter Henri Nannen, das Thema ist mir eine Herzensangelegenheit. Als einer der Ersten habe ich mein Geld nicht in Anlagewerte gesteckt, sondern in Oldtimer. Doch als sich bei mir zu Hause in Vogt - ein Dorf in der Nähe -, wo wir seit 1970 wohnen, die Autos stapelten, sagte meine Frau, sie käme sich ja vor wie auf dem Schrottplatz. Da dachte ich, jetzt muss etwas geschehen und habe den Fürsten - zu Waldburg, Wolfegg, Waldsee - gefragt, ob er Räumlichkeiten für ein Automuseum hat. Der alte Fürst war ein Pfundskerl und sagte, klarer Fall, kommen Sie morgen rüber und gucken Sie sich die leer stehenden Gebäude an. Unser jetziges Haupthaus am Schloss in Wolfegg war eine verfallene Halle mit Lehmfußboden, der ehemalige fürstliche Ochsenstall. Den habe ich ausgebaut, auf eigene Kosten. Mein Steuerberater hat die Hände über dem Kopf zusammen geschlagen. Als ich Ostern 1973 eröffnete, kamen 5000 Besucher. Jede Haustür war zugeparkt. Da musste ich für die Gemeinde noch den großen Parkplatz bauen.
Das klingt wie ein teurer Spaß. Bekommen Sie Subventionen, haben Sie Sponsoren? Ich bekomme keinerlei Fördergelder, keinerlei Spendengelder. Ich betreibe das Museum seit 30 Jahren, als hätte ich eine Kneipe. Ich muss Umsatzsteuer bezahlen, Gewerbesteuer, Einkommenssteuer. Und jetzt kommt ein böser Spruch von mir: Wenn Sie in irgendeine alte Scheune eine ausgestopfte Kuh stellen und einen Heurechen, dann sind Sie ein Bauernhausmuseum, und der Staat gibt Ihnen jede Menge Zuschüsse. Schauen Sie mal, ich dokumentiere das Jahrhundert der Motorisierung, und wir sollen uns an alten Mistgabeln festhalten. Dabei bringe ich die Menschen her - ich habe in der Saison 100 000 Besucher. |    | Welches ist das älteste, welches das skurrilste Ausstellungsstück in Ihrer Sammlung? Das älteste ist eine kutschenähnliche Piccolo-Voiturette von 1907, genannt der Doktorwagen, weil Ärzte damit schneller zu ihren Patienten kamen. Das skurrilste Auto ist für mich mein selbst gebauter Diesel-Star, mit dem ich 1975 auf einer deutschen Teststrecke amerikanische Weltrekorde gebrochen habe. Dann habe ich das letzte Auto von Filmstar Hans Albers, einen Cadillac von 1951. Es liegt sogar noch sein Ledermantel darin. Daneben steht das letzte Auto von Zaubergeiger Helmut Zacharias, mit dem ich eng befreundet war, auch ein Cadillac, von 1988. Aber der große Erfolg sind die Autos, die in jedes Menschen Leben eine Rolle spielen. Die Leute sagen: Ah, mein erster DKW! Und eine Frau erzählt ihrer erwachsenen Tochter, in solch einem Opel hat mich mein Nachbar damals zur Entbindung gebracht. Tja, dagegen kann ich hundert Rolls Royce hinstellen, die sagen dem Besucher überhaupt nichts.
Erzählen Sie von Ihrem ersten eigenen Auto! Das war gleich nach dem Krieg 1946. Kaum aus der Gefangenschaft zurückgekehrt, hatte ich den Wunsch, das Auto meiner Kindheit zu besitzen: einen Opel von 1929. Nur mit Tausch konnte man damals irgendetwas erwerben. Ich habe meinen Ledermantel hergegeben, meine Fliegerpelzstiefel und was ich sonst noch besaß. Erst, als ich mit dem Auto durch Leipzig fuhr, war für mich Frieden. Damals entstand mein Oldtimer-Fimmel, ein Nostalgie-Fimmel.
Was sind für Sie die Autos mit der höchsten Qualität? Es gibt ja die berühmten Marken wie Mercedes und den legendären Käfer, später den VW Golf. Ich habe im Museum einen der ersten Golfs nach der Einstellung der Käferproduktion. Mit diesem Wagen, frisch vom Fließband, bin ich in den 70er Jahren von Alaska nach Feuerland gefahren. Die Putzfrauen haben strikte Anweisung, den Schmutz, der noch an den Felgen klebt, nicht abzuwischen.
Welches Auto steht bei Ihnen zu Hause in der Garage? Lieben Sie immer noch Cabrios? Oh ja! Jeden Sommer lasse ich einen meiner Oldtimer zu und benutze ihn als Alleinfahrzeug. In diesem Jahr habe ich mir als Geburtstagsgeschenk, weil ich 80 Jahre alt wurde, das Ford A-Modell von 1929 gekauft, diesen herrlichen Zweisitzer, den Inbegriff eines Oldtimers, und bin den ganzen Sommer damit gefahren. Jetzt ist er ins Museum gekommen. Als Alltagsauto steht in meiner Garage ein wintertauglicher Geländewagen, mit dem ich auch meine Anhänger ziehen kann. Und der Liebling von meiner Frau und mir ist ein Wohnmobil. Wir sind alte Unabhängigkeitsfanatiker. Wir fahren jeden Winter drei Monate mit dem Wohnmobil nach Spanien, Portugal, Marokko. Noch immer, so lange es geht! |  |  |  |