Göteborg, Däumling der europäischen KücheVon Emmanuel TresmontantGöteborg repräsentiert, ähnlich wie Stockholm, glanzvoll die hohe Kunst der skandinavischen Gastronomie und ist gleich mit 4 Sternerestaurants im Michelin Führer vertreten. Ihr Geheimnis? Fisch natürlich, und zwar frischer, wie er nicht sein könnte, aber auch eine neue Generation junger, hochtalentierter Köche. Bereits in Stockholm waren wir beeindruckt von der Qualität der Gastronomierestaurants (siehe unser Artikel), doch auch in Göteborg mangelt es dem Nachwuchs der schwedischen Kochkunst nicht an Talent. So kehrten viele junge Köche nach einer Lehrzeit bei diversen europäischen Sterneköchen schließlich in die Heimat zurück, mit der festen Absicht, ihr erworbenes technisches Können in den Dienst einer eigenen Küche zu stellen, deren Grundlage skandinavische Spitzenprodukte bilden. Anstelle des berühmten Restaurants Sjömagasinet, dessen prachtvoller Saal direkt auf den Hafen hinausgeht, möchten wir Ihnen daher zwei junge Nachwuchsköche vorstellen, die in Göteborg schon heute als künftige Stars der Gastronomie des Nordens geführt werden. ![]() © E. Tresmontant / ViaMichelin Da ist zunächst Pelle Danielson, Chefkoch des Restaurants Hos Pelle in unmittelbarer Nähe des Parks Skansparken (auf dessen höchstem Punkt ein Militärturm aus dem 17. Jh. steht, von dem aus man eine schöne Aussicht über Göteborg hat). Lassen Sie sich nicht vom Schein trügen. In diesem wie ein einfaches Wirtshaus anmutenden Restaurant verkehrt die gehobene Gesellschaft der Stadt. Die Atmosphäre ist anheimelnd und das sehr skandinavische Dekor kombiniert dezent Altes und Modernes. Der Chefkoch, dem Starallüren völlig abgehen, bedient persönlich und nimmt sich die Zeit, seine Gerichte in ein paar Worten zu erklären. Wir waren begeistert von seiner eindrucksvollen Kohlsuppe mit Trüffeln, die mit glacierter Schweinebacke serviert wird: auch im Sommer kann man davon nicht genug bekommen! Pelle Danielson ist es auch gelungen, die Frische und das volle Aroma der Seespinne herauszuarbeiten, indem er sie, von Stockfisch und Schwarzwurzel begleitet, mit einer delikaten Creme aus Kürbis und Kreuzdorn (eine skandinavische Beere, die in der Regel zu Sirup verarbeitet wird) serviert. Die Kalbshaxe, begleitet von karamellisierten Karotten und Brokkoli-Mousse, ist ein Meisterwerk an Perfektion und wird noch verfeinert durch einen delikaten Kräuterjus. Der Wein wird auch glasweise serviert. Degustationsmenü 585 SEK (63 Euro). Wenn sich tagsüber der Hunger meldet![]() Feskekörka ist eine traditionelle Markhalle, in der die angebotenen Fische und Meeresfrüchte allesamt vom letzen Fang der Nacht oder des Morgens stammen. Wir raten Ihnen, mindestens einmal im Restaurant Gabriel in der ersten Etage des Fischmarkts zu Mittag zu essen. Der bärtige Chefkoch, der bei seinen Stammgästen sehr beliebte Gunnar Malm, bietet hier einfache, typisch schwedische Gerichte an, wie Krabben und Austern aus der Nordsee, Toasts mit Weißfischrogen, eingelegter Hering mit lauwarmen Kartoffeln und "Västerbotter" (ein traditioneller gelber schwedischer Käse) und natürlich diverse geräucherte und marinierte Lachssorten, Aal, Forellenrogen, Flusskrebse und Fischsuppe mit Safran ... Ein idealer Ort, um ein bisschen echtes Göteborg-Ambiente zu erleben. Mahlzeit zwischen 15 und 30 Euro. ![]() © E. Tresmontant / ViaMichelin Mats Nordström ist der Chefkoch des schönen Restaurants Wasa Allé in der schicken Straße Vasagatan unweit des Stadtviertels Haga. Auch hier ist das Dekor höchst geschmackvoll: Perserteppiche am Boden, weit voneinander entfernte Tische, gedämpftes Licht, dezent-luxuriöse Holzvertäfelungen ... So gesehen könnte ein kleiner Designkurs in Schweden auch unseren etablierten europäischen Köchen nichts schaden. Auf dem Teller bietet Mats feinste internationale Küche. Sein Jakobsmuschel-Carpaccio, umhüllt von Pancetta und begleitet von weißem Spargel und Zitronenvinaigrette ist unglaublich schmackhaft. Sein frittiertes Meerbarbenfilet mit Kalbsbries-Ravioli und Blumenkohl passt hervorragend zu einem großen Elsässer Pinot Gris von Jean-Michel Deiss. Fans von Gänsestopfleber werden begeistert sein von der Art, in der der Koch des Hauses diese Delikatesse glaciert und mit Stockfisch und Jerusalem-Artischocken kombiniert, begleitet von einer feinen Rotwein-Rindersoße ... ungewöhnlich aber einfach köstlich! Der Crottin de Chavignol mit Weintrauben-Apfel-Salat und das Schokoladendessert mit Holunderblüten und Mandelsorbet bilden den krönenden Abschluss dieses köstlichen Mahls. Ein Essen à la carte kostet zwischen 495 und 895 SEK (53-97 Euro). Hos Pelle Djupedalsg. 2 Tel.: 031-12 10 31 Wasa Allé Wasagatan 24 Tel.: 031-13 13 70 |