Ein Mini für den Sommer: Mini Cooper S Cabrio
Von Georges Rouzeau
Obwohl der Mini Cooper Cabrio zum femininsten Auto des Jahres 2005 gewählt wurde, steht er auch bei den Herren, die Wert auf Emotion und Fahrspaß legen, hoch im Kurs. Besonders jetzt, wo der Sommer vor der Tür steht.
Sechs Monate sind eine lange Zeit. Doch solange muss man sich heute schon gedulden, wenn man einen Mini Cooper S Cabriolet erwerben will: Die Auftragsbücher sind ganz einfach voll. Daran können auch diverse Prominente und sonstige VIPs nichts ändern, so sehr sie auch die Telefonzentrale von BMW bedängen, in der Hoffnung, sich dank ihres Namens einen Vorsprung vorm Ottonormalverbraucher zu sichern. Dabei kommt das offene Luxus-Gokart insbesondere bei den Damen der Schöpfung an, die nach einem Besuch bei Star-Frisör Donato ihre neue Haarkreation im Wind wehen lassen.
Wie dem auch sei, bei ViaMichelin war es ein Mann, der den Wagen getestet hat. Leider nur gestestet, denn was kann schöner sein als mit der Nase im Wind am Steuer dieses handlichen Boliden echten Fahrspaß neu zu erleben. Wer es bis jetzt noch nicht wusste, dem sei hiermit gesagt, dass der Mini auch ein Auto für den Mann ist, den Echten, den Coolen, für den dieser kleine Stadtrenner ein sicheres Mittel ist, seiner Virilität zu schmeicheln.
Liebe macht bekanntlich blind - aber das kann ein Autotester sich nicht leisten. So habe auch ich mich redlich bemüht, die Mängel zu identifizieren, die man beim diesem Objekt der Begierde eventuell beanstanden könnte. Ein paar habe ich tatsächlich gefunden, allerdings keinen, der einen Sinneswandel rechtfertigen würde. Denn der Mini ist ganz einfach, was er ist: ein kompaktes, kleines Kraftpaket, das nur ein Motto zu kennen scheint und das lautet genussvolles Fahren, sowohl in der Stadt als auch in freier Wildbahn.
Da sind zunächst einmal die Türgriffe. Sie sind ebenso hart wie der Mini sexy und es braucht Herkuleskräfte, um die Tür zu öffnen, die gleichzeitig ob ihres erheblichen Gewichts die ärgerliche Angewohnheit hat, sich immer wieder von selbst schließen zu wollen.
Aber Sicherheit verpflichtet: Beim Mini wurde alles so konzipiert, dass Wagen und Insassen bei einem Aufprall, besonders beim seitlichen, den geringstmöglichen Schaden davontragen. So hat man zum Beispiel zusätzliche Versteifungsbleche in die Karosserie integriert und an den Seitenschwellern eine extra dicke Blechschicht eingesetzt.
Deshalb kann man den Mini auch durchaus als korpulent bezeichnen. Er bringt immerhin 1250 kg auf die Waage!
Hinter der Tür das Interieur: Ja, es stimmt, die Ablagen sind ebenso gut versteckt wie knapp bemessen.
Doch wen kümmert's, angesichts des absolut umwerfenden Charmes: Sportpedale, ein in Leder gekleidetes Dreispeichen-Retro-Lenkrad, nostalgische Rundinstrumente und eine von der Luftfahrt inspirierte Mittelkonsole, das alles in Silbergrau und Aluminium.
So klein wie er ist, der Mini erhebt Anspruch auf echte Größe, mit verspieltem Glamour als Bonus. Der lederbezogene Schalensitz ist fest und bietet besonders in der Lendengegend hervorragenden Halt - der nicht zu verachten ist, denn die Federung ist nicht gerade die Stärke dieser englisch-deutschen Koproduktion.
Die Sicht des Fahrers wird durch die aufdringliche Präsenz der Kopfstützen und der Überrollbügel leicht beeinträchtigt. Besonders bei geschlossenem Verdeck kam mir die Sicht beim Blick über die Schulter eher mittelmäßig vor, doch die großzügig bemessenen Rückspiegel lassen auch dieses Problem relativ werden.
Der Umgang mit dem Stoffverdeck ist kinderleicht. Der Elektromechanismus arbeitet auf Kopfdruck, ohne dass man das Verdeck an der Windschutzscheibe vorher per Hand entriegeln muss. In weniger als 20 Sekunden faltet sich das Dach z-förmig zusammen und wird über dem Kofferraum abgelegt.
Damit lässt es sich praktisch wie ein Schiebdach nutzen und genau das habe ich bei meiner Testfahrt auch getan, denn die Sonne hat sich an diesem Osterwochenende immer wieder hinter den Wolken versteckt.
Und wenn sich mal ein Schauer ankündigte, habe ich schleunigst meine persönliche Best Of Steve Wonder in den MP3-fähigen CD-Player gesteckt und mich vom vertrauten Sound seiner durch das Lautsprechersystem gut verteilten Stimme wärmen lassen.
Bleibt der Verbrauch, der wirklich hoch ist (er liegt nicht selten bei 12-13 l) und, so sehr mir der Wagen auch gefällt, einen echten Nachteil darstellt. Glaubt man BMW, ist den Käufern des Mini der Verbrauch so egal wie ihre erste Prada-Tasche.
Im Stadtverkehr erwies sich der Mini als nervöser, leistungsstarker kleiner Renner, problemlos im Handling und sehr reaktionsfreudig. Allerdings ist er mit einer Länge von 3635 mm nicht immer leicht zu parken.
Auf den kleinen Waldstraßen in der Gegend um Paris konnte der Mini dann so richtig die Power zeigen, die in ihm steckt, nämlich 170 PS (theoretisch bringt es der kleine Flitzer auf 215 km/h - natürlich nur dort, wo es erlaubt ist), bei einem gleichzeitig sehr souveränen Fahr- und Kurvenverhalten. Das Automatikgetriebe sieht übrigens auch einen manuellen Modus vor, über Schaltpaddles am Lenkrad.
Nach all diesen technischen Betrachtungen bleibt im Grunde nur noch eins zu sagen: Das Schönste am Mini ist das unübertroffene Vergnügen, bei geöffnetem Verdeck durch die Landschaft zu brausen, die Nase im Wind und über sich den Himmel und das Geäst der hundertjährigen Eichen des Waldes von Rambouillet ...
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| | Technische Daten des Mini Cooper S Cabrio 170 PS Motor: 1,6 Liter, 4 Zylinder, 16 Ventile Nennleistung: 125 kW (170 PS) bei 6000 U/min Maximales Drehmoment: 220 Nm bei 4000 U/min Beschleunigung 0-100 km/h: 7,9 s Höchstgeschwindigkeit: 215 km/h Verbrauch Stadt / außerstädtisch / gesamt:13,1/ 6,9/ 9,2 CO2-Emission: 221g/km Kofferraumvolumen: 120 bis 605 Liter Tankinhalt: rund 50 Liter Getriebe: 6-Gang- Schaltgetriebe oder optional 6-stufiges Automatikgetriebe mit Steptronic Grundpreis 24.550 ¤ | |
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Fotografien © E. Tresmontant, G. Rouzeau / ViaMichelin, BMW AG