Stockholm, kulinarische Hauptstadt Skandinaviens
Von E. Tresmontant
Im Gegensatz zu einem verbreiteten Klischee ernährt man sich in Schweden nicht nur von Knäckebrot, sauren Gurken und eingelegten Heringen. In den letzten zehn Jahren entwickelte sich in Stockholm eine echte Gourmet-Kultur. Davon zeugen 7 Sternerestaurant (eine beachtliche Leistung für eine Stadt mit 770.000 Einwohnern!) und eine Reihe anderer empfehlenswerter Adressen. Außerdem ist Schweden der Kochbuch-Weltrekordinhaber, mit einer neuen Veröffentlichung pro Tag.
Stockholmer Gastronomie in Kürze
Verglichen mit anderen skandinavischen Hauptstädten hat Stockholm in Sachen Gastronomie einen sehr günstigen Stand. Die Restaurants sind erschwinglicher als in Kopenhagen oder in Oslo und die Küche ist abwechslungsreicher und kreativer als in Helsinki.
Manche Restaurants haben sich in ganze Europa einen Namen gemacht, wie der schöne, rustikale Gasthof Edsbacka Krog, dessen Chefkoch Christer Lingström (2 Michelin-Sterne) es sich zum Ziel gesetzt hat, nur skandinavische Produkte der jeweiligen Saison zu verwenden. Auch im Bereich Fusion und Avantgarde hat die Stockholmer Restaurantszene einiges zu bieten, darunter das F12 von Danyel Couet. Ganz gleich, welche kulinarische Richtung man einschlägt, man legt hier überall viel Wert auf Einrichtung und Ambiente. Deshalb sei hier (ausnahmsweise) auch einmal lobend auf den (guten) Geschmack der Restaurantbesitzer hingewiesen, die ihre Gäste in einer Atmosphäre von schlichter Eleganz und Luxus empfangen.
In der Low-Budget-Kategorie findet man gute, kleine Restaurants, die mittags in der Regel Sonderpreise pflegen, mit einem Menü bestehend aus Hauptgericht, Getränk, Brot und Kaffee. Da die Schweden gern an der frischen Luft sind, haben die meisten Cafés und Bistros Terrassen (ab Herbst geheizt).
Zwei Restaurants, die man nicht versäumen sollte
Lisa Elmqvist
Wenn Sie ein Fan von skandinavischen Produkten sind, sollten Sie es nicht versäumen, den großen Markthallen in dem schicken Stadtteil Östermalm (U-Bahn Ostermalmstorg) einen Besuch abzustatten. In diesem kulinarischen Tempel, der wie ein lebendiges Museum wirkt, herrscht immer reges Treiben (geöffnet von Montag bis Samstag von 9.30 bis 18 Uhr). Hier findet man u.a. eingelegten oder geräucherten norwegischen Lachs, Hering in allen erdenkliche Soßen und erstklassiges geräuchertes oder getrocknetes Rentierfleisch, das man in der Regel mit Meerrettich oder Preiselbeerkonfitüre serviert.
Außerdem raten wir Ihnen, mindestens einmal bei Lisa Elmqvist, einer echten Stockholmer Institution, Restaurant und Fischgeschäft in einem, zu Mittag zu essen. Für maximal 450 Kronen (48 ¤) kann man hier à la carte schlemmen und typische schwedische Spezialitäten genießen, wie Nordseekrabben und -austern, Toasts mit Ukeleirogen, eingelegter Hering mit lauwarmen Kartoffeln und "Västerbotter" (ein traditioneller gelber Käse) und natürlich verschiedenste Sorten von geräuchertem Lachs oder Aal, Kaviar aus Forellenrogen, Flusskrebse und eine köstliche Fischsuppe, mit Safran gewürzt und mit Creme Fraiche verfeinert.
Ein kleiner Schnaps (oder Aquavit) zum Hering ist eine Tradition, die die Schweden seit dem 18. Jh. pflegen. Versuchen Sie es ruhig auch einmal - das baut Kräfte wieder auf! Wer lieber Bier zum Essen trinkt, sollte wissen, dass das lokale Bier Eriksberg etwas kräftiger ist als das dänische Carlsberg. Ansonsten geht es hier einfach und unkompliziert zu, wobei der Rahmen, ein wunderschöner traditioneller Markt, natürlich auch zum Genuss eines Essens bei Lisa Elmqvist beiträgt.
F12: schicker Rahmen für schöne Teller
Das in einem Flügel der Kunstakademie unweit des historischen Zentrums von Stockholm untergebrachte Restaurant F12 ist heute eine der angesagtesten Adressen der schwedischen Hauptstadt. Das Dekor, dem skandinavischen Design der 70er Jahre nachempfunden, ist sehr gelungen, mit Lampen die in Form von Champagnergläsern über den Tischen baumeln, langen, bequemen Sitzbänken und gedämpftem Licht.
Der französisch-schwedische Chefkoch bereitet hier eine zeitgenössische Küche voll Frische und Eleganz. Neben einem erschwinglichen Mittagsmenü zu 35 ¤ bietet das F12 auch ein reichhaltiges Degustationsmenü zu 117 ¤ an, mit drei Vorspeisen, zwei Hauptgerichten, einem Käse und zwei Desserts.
Bei allen seinen Kreationen, darunter die überraschenden "Eiskrabben mit einem Eisberg aus grünem Salat und Tapioka, die "tom kah gai"-Langustine mit Koriander und Chili, seine "Ravioli" gefüllt mit Zitrone und Kalamari, sein Steinbutt mit Champagnergelee und seine köstliche Taube mit Apfel und Kaviar, versteht es Danyel Couet, die geschmackliche Quintessenz eines jeden Produkts hervorzuheben, ganz gleich ob es aus Schweden, Frankreich oder Japan stammt. Dabei fügen sich alle Zutaten brillant zu einer Harmonie zusammen, ohne dass ihr Zusammenspiel künstlich oder gewollt wirkt.
Auch die Weinkarte kann sich sehen lassen. Hier findet man z.B. einen schönen Riesling von André Ostertag, einen Cornas von Thierry Allemand oder einen Madiran vieilles vignes von Alain Brumont. Allerdings sind die Weine, wie überall in Skandinavien, sehr teuer. Der "erschwinglichste" ist hier der Pouilly Fumé von Didier Dagueneau für 77 ¤!
Boutiquen für Feinschmecker
Ein wunderbarer Garten
Bei einem Rundgang über die grüne Insel Djurgården müssen Sie unbedingt auch bei Rosendals Tradgard vorbeischauen, ein angenehmes Café mit Shop, wo man leckere Konfitüren kosten und kaufen kann, wie die "Drottningsylt", die "Konfitüre der Königin" aus Himbeeren und Blaubeeren.
Die Früchte stammen aus einem Obst- und Gemüsegarten direkt neben dem Café, der von dem Franzosen Antoine Berthelin bestellt wird. Gourmets versorgen sich bei ihm mit gartenfrischem Obst und Gemüse .
Chokladfabriken
Die "Schokoladenfabrik" ist sicher eine der schönsten Einrichtungen Stockholms. Sie eröffnete vor 6 Jahren in dem historischen und heute sehr angesagten Stadtteil Södermalm.
Der junge Martin Isaksson, der in der Schweiz und in der Pariser "Maison du Chocolat" sein Handwerk gelernt hat, gewann 2004 die Goldmedaille bei der Olympiade der Köche, einem Wettbewerb, an dem 32 Länder teilnehmen. Sein Vorzug gilt Zartbitterschokoladen aus den besten Kakaobohnen Venezuelas. Seine Trüffel und Ganaches sind einfach köstlich, ebenso wir seine heiße Schokolade mit Kardamom. Unbedingt probieren sollte man auch seine Pralinenkreationen, die mit wilden Brombeeren und Sumpfhimbeeren gefüllt sind.
Außerdem bietet Chokladfabriken auch ein originelles Design mit stufenförmig angeordneten Sitzbänken am hinteren Ende des Saals, auf denen es sich - ohne Schuhe - Studenten bequem machen und für die nächste Prüfung lernen, während ein paar Tische weiter eine junge Mutter ihr Kind stillt und nebenbei Pralinen isst.
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| | Adressen Lisa Elmqvist Östermalms Saluhall Restaurant F12 Fredsgatan 12 Rosendals Tradgard Rosendalsterrassen 12 Chokladfabriken Renstiernas Gata 12 | |
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Fotografien: © E. Tresmontant/ViaMichelin, Chokladfabriken