Magazin - 15/08/05

   
Unterwegs
Kinder im Auto: Sicherheit ist oberstes Gebot!

Von C. Morel

In ganz Europa müssen Kinder im Auto laut Gesetz in zugelassenen Kindersitzen sitzen. Dennoch ist die Wahl des Kindersitzes nicht immer leicht und das Angebot unterschiedlicher Systeme auf dem Markt ist groß.
Sicherheit kennt keine Kompromisse
Eine Frage der Erziehung
Je früher man die Grundregeln der Sicherheit lernt, desto besser. Erklären Sie Ihrem Kind, dass Anschnallen im Auto keine Option ist, sondern eine absolute Notwendigkeit. Gehen Sie mit gutem Beispiel voran indem Sie sich selbst anschnallen und lassen Sie sich auf keine Diskussion ein. So wird das Anschnallen auch für Ihr Kind zu einem völlig natürlichen Reflex.
Noch immer kommt es häufig vor, dass Kinder im Auto nicht angeschnallt sind. Dabei ist es, ganz egal wie kurz die Strecke ist, absolut notwendig, die Kinder anzuschnallen. Ein Kind, das nur auf den Knien eines Erwachsenen sitzt, auch wenn dieser es fest im Arm hält, befindet sich in großer Gefahr. Bei einem Aufprall bei 50 km/h verwandelt sich ein 30 kg schweres Kind in ein Geschoss mit einer Wucht von einer Tonne und kann so aus dem Auto oder gegen die Windschutzscheibe geschleudert werden.
Ein einfacher Sicherheitsgurt ist für Kinder jedoch nicht ausreichend. Je nach Alter und Körperbau müssen angemessene Systeme eingesetzt werden. Ein schlecht sitzender Gurt oder ein ungenügend befestigter oder unangemessener Kindersitz kann fatale Folgen haben ...
Was bedeutet das Zulassungssiegel
Es ist nicht einfach, sich in den verschiedenen Kategorien und Systemen von Kindersitzen zurechtzufinden.
Der Buchstabe E bedeutet, dass ein Produkt zugelassen ist. Ihm folgt eine Zahl, die für das Land steht, in dem die Zulassung erfolgte (E1 für Deutschland, E2 für Frankreich, E3 für Italien, E9 für Spanien).
Die Bezeichnung „universal" bedeutet, dass der Kindersitz in allen Autos verwendet werden kann.
Da die Größe bei Kindern gleichen Alters sehr unterschiedlich sein kann, ist das Gewicht das Hauptkriterium bei der Wahl des geeigneten Kindersitzes. Jeder Gewichtsklasse entspricht eine Sitzkategorie, die man als Gruppe bezeichnet.
Gemäß den europäischen Zulassungsnormen unterscheidet man 4 Gruppen:
© F. Tachon / ViaMichelin
Die Gruppen 0 und 0+: für Säuglinge und Kleinkinder unter 10  kg und bis zu 13 kg
Diese Gruppe entspricht den Babyschalen, die gegen die Fahrrichtung auf dem Beifahrer- oder auf dem Rücksitz montiert werden (wenn das Fahrzeug über einen Beifahrerairbag verfügt, muss der Kindersitz hinten angebracht werden). Diese gegen die Fahrrichtung montierten Systeme sind bei weitem die sichersten für Babys und Kleinkinder, da sie bei einem frontalen Aufprall die Belastung von Hals und Halswirbeln reduzieren.
Die mit dem Sicherheitsgurt auf der Rückbank fixierte Autowiege ermöglicht es, einen Säugling in liegender Position zu transportieren. Die Sicherheit des Kinds gewährleistet dabei ein über die Autowiege gespanntes Netz. Auf diese Weise kann man auch mit den Allerkleinsten längere Strecken im Auto zurücklegen.
 
Die Gruppe 1: für Kinder von 9 bis 18 kg (bis 3-4 Jahre)
Es handelt sich um Kindersitze, die auf der Rückbank des Autos in Fahrrichtung montiert werden. Im Schalensitz wird das Kind durch einen 5-Punkte-Gurt gesichert, bestehend aus einem Bauchgürtel, einem Gurt zwischen den Beinen und zwei seitlichen Hosenträgergurten. Wählen Sie einen Sitz mit harter oder verstärkter Schale für maximale Sicherheit.
Ein anderer Sitztyp ist der Fangkörpersitz, in dem das Kind durch ein festes Element vor dem Bauch (das gleichzeitig als Tischchen dienen kann) gesichert wird. Ein solches System ermöglicht die Installation des Sitzes auch in der Mitte der Rückbank mit einem 2-Punkte-Gurt.
Einen optimalen Komfort (besonders bei langen Strecken) bieten Sitze, die man von der aufrechten Sitzposition in eine halbliegende Position umstellen kann, damit das Kind unterwegs schlafen kann.
Die Norm ISOFIX
ISOFIX ist die bekannteste Norm für die Installation von Kindersitzen im Auto. Es handelt sich dabei um ein universales Halterungssystem, das bei Neufahrzeugen heute immer mehr zum Standard wird. Ziel dieser Norm ist es, einer unsachgemäßen Installation vorzubeugen und so das Verletzungsrisiko im Falle eines Aufpralls zu verringern.
Die Gruppen 2 und 3: für Kinder von 15 bis 25 kg und von 22 bis 36 kg
Hierbei handelt es sich um Sitzerhöher, die das Kind in eine Sitzposition bringen, bei der es mit dem normalen Dreipunkt-Sicherheitsgurt angeschnallt werden kann und dieser richtig an der Schulter sitzt und nicht am Hals.
Man unterscheidet 2 Sitztypen: Sitzerhöher mit Rückenlehne, die dem Rücken des Kindes einen guten Halt geben und besonders für Kinder bis 7 Jahre geeignet sind. Die Rückenlehne kann entfernt werden, um den Sitz bis ins Alter von 10-11 Jahren weiter zu nutzen. Sitzerhöher mit Armlehen sind angemessen, wenn das Kind groß genug ist, dass der Sicherheitsgurt richtig an der Schulter sitzt.
Darüber hinaus gibt es die so genannten Kombisitze, die mehrere Gruppen abdecken und damit länger eingesetzt werden können. Dazu gehören die Sitze der Gruppe „1-2-3" für Kinder von 9 bis 36 kg und die Sitze der Gruppe „2-3", die sich für Kinder mit einem Gewicht von 15 bis 36 kg eignen.
Ab 10 Jahre und bei entsprechender Größe können die Kinder ohne zusätzliche Vorrichtung mit normalen Sicherheitsgurten angeschnallt werden.
Wahl des Kindersitzes: Nichts dem Zufall überlassen!
Wenn Sie sich nicht sicher sind, welches Modell für Ihre Kleinen angemessen ist, sollten Sie sich in einem Fachgeschäft beraten lassen (Baby- und Kleinkindbedarf, Autofachhandel).
Um unangenehmen Überraschungen vorzugreifen, empfiehlt es sich, die Installation des Sitzes vor dem Kauf im Auto auszuprobieren (besonders wenn der Kindersitz in verschiedenen Wagen verwendet werden soll). Auf diese Weise werden Sie schnell feststellen, wie einfach oder kompliziert die Montage ist. Auch Ihr Kind sollte den Sitz ruhig vorher ausprobieren, denn nur so macht man sich wirklich klar, ob der betreffende Sitz und das Gurtsystem für den Nachwuchs geeignet sind.
Bestimmte Optionen können sich als äußerst nützlich erweisen, wie eine weiche Polsterung des Sitzes, höhenverstellbare Kopfstützen, zentraler Gurtstraffer oder eine veränderbare Sitzbreite ...
Vorsicht ist insbesondere bei gebrauchten Kindersitzen geboten. Achten Sie in jedem Fall darauf, dass das Halterungssystem den aktuellen Normen entspricht und funktionstüchtig ist, denn Schnallen und Gurte können gewisse Abnutzungserscheinungen aufweisen, die die Effizienz des Systems beeinträchtigen.
Mit Kindern unterwegs: Ein paar Tipps vor der großen Reise
In der Ferienzeit legt man oft längere Strecken mit dem Auto zurück als gewöhnlich. Hier ein paar Tipps, um die Reise in aller Ruhe und Sicherheit anzutreten:
  • Berücksichtigen Sie bei der Abfahrtzeit den natürlichen Rhythmus des Kindes, die Fahrzeit insgesamt und die Wettervorhersage. Abends, früh morgens oder kurz vorm Mittagsschlaf loszufahren, ist oftmals keine schlechte Idee!
  • Überprüfen Sie die Befestigung und die Gurte des Kindersitzes und achten Sie während der Fahrt darauf, dass das Kind sich nicht abschnallt. Am besten ist es, den Gurt so anzulegen, dass er nicht mehr als einen Finger breit vom Körper des Babys entfernt ist.
  • Aktivieren Sie die Kindersicherung der Türen in Reichweite der Kinder, um jede Gefahr einer Öffnung während der Fahrt auszuschließen.
  • Packen Sie ungefährliches (leichtes) Spielzeug ein, um die Kinder zu beschäftigen.
  • Eine kleine Zwischenmahlzeit ist immer eine willkommene Ablenkung ... Sorgen Sie auch dafür, dass die Kinder immer etwas zu trinken in Reichweite haben, besonders während der heißen Tage.
  • Schützen Sie die Kinder vor der Sonne, indem Sie die Scheiben mit Sonnenrollos oder sonstigen Saugnapfsystemen abdunkeln.
  • Machen Sie rund alle zwei Stunden eine Pause. Das tut Groß und Klein gleichermaßen gut!