 | Von E. Tresmontant
| Ganz egal, ob blutiger Anfänger oder Experte, beim Fliegenfischen in der Ariège kommt jeder auf seine Kosten! Mit Wildbächen, Bergseen und Flüssen, in denen sich Bachforellen* und Regenbogenforellen**, aber auch Bachsaiblinge, amerikanische Seesaiblinge*** und Wandersaiblinge nur so tummeln, ist dieses Département in den französischen Pyrenäen ein wahres Paradies für Angler. |    | In Soulan, einem kleinen Dorf 18 km von Saint-Girons und 60 km von Foix entfernt, lebt und angelt eine in ganz Frankreich bekannte Persönlichkeit: Robert Menquet. Seit 50 Jahren betreibt dieser Profiangler, Schüler von Louis Carrère, Léon Foch, Henri Soueix und Michel Duborgel (der „Meister des Lachsfischens”) Angeltechniken wie Toc (eine für die Pyrenäen typische Technik), Fliegenfischen, Flugangeln und Spinnangeln (siehe Kasten unten). Gleichzeitig ist er der Autor mehrerer Standardwerke zum Thema Angeln. Sich von ihm die die Kunst des Fliegenfischens in den Wildbächen oder Flüssen der Ariège unterweisen zu lassen, ist ein zugleich sportliches und poetisches Erlebnis. „Hier in der Ariège braucht man für jeden Fluss eine andere Fliege und eine andere Technik. Für die ruhigeren, flacheren Stellen der Flüsse Ariège und Salat benötigt man mikroskopisch kleine Fliegen auf spinnenfeinen Haken. In den klaren Wassern des Garbet und der Bouigane, des Oriège und des Arac sind Nymphen angemessen. Angler, die ein Faible für exakte Imitationen haben, können sich überall mit den „pfiffigeren” Fischen auseinandersetzen. Es ist wirklich für jeden was dabei!” Von den Wildbächen der Pyrenäen über die Küstenflüsse der Bretagne bis zu den reinen Wassern der Rios Cantabriques, von den sandigen, flachen Gewässern der südfranzösischen Atlantikküste über die schottischen Highlands bis zu den skandinavischen Wildbächen teilt Robert Menquet seine Leidenschaft für das Fliegenfischen mit vielen anderen Anglern unterschiedlichster Herkunft. „So entdecke ich, dass man anderswo nicht viel anders ist, als hier.” Ein schönes Beispiel für Völkerverständigung! |    | So still und konzentriert Robert beim Angeln ist, so gesprächig wird er vor einem guten Pastis: „Hier in der Ariège haben die Forellen kapiert, wo's langgeht. Sie sind misstrauisch und nur schwer zu haben. Sie sind wie die Ariège selbst: Man muss sie sich verdienen!” Das Material? „Ich empfehle Ruten mit einer Länge von 2,20 bis 2,90 m, die sich sowohl für Bergseen als auch für fließende Gewässer eignen. Wer gerne mit doppelter Wurfkraft angelt, kann hier Bergforellen und Bachsaiblinge erwischen. Was die Fliegen anbelangt, so erfordert die Artenvielfalt hier eine sorgfältige Auswahl. Anfänger sollten eine Reihe von „Entenschwänzen” zur Hand haben, mit Hakengröße 16, 18, 20 und 22. Die A4-Fliegen sind, in Kombination mit den French Tricolores, besonders für fließende Gewässer geeignet. Im Sommer empfehle ich jedoch Ameisen-Imitationen. Bergsee-Liebhaber sollten Imitationen von Grashüpfern und anderen Landinsekten dabei haben. Für das Nymphenangeln bieten sich Hasenohrnymphen oder Pheasant-Tails an.”
Fliegenfischen bedeutet - falls dies überhaupt noch gesagt werden muss - , die Sorgen des alltäglichen Lebens hinter sich lassen, sich eins fühlen mit der Natur. Fliegenfischen bedeutet aber auch, sich selbst und das vermeintliche Gefühl des Erfolg zu besiegen, und einen Fisch vorsichtig wieder ins Wasser zu setzen... besonders, wenn dieser nicht die vorgeschriebene Größe hat (mindestens 20 cm für eine Bachforelle, wobei die Länge eines Fisches vom Maul bis zur äußersten Schwanzspitze gemessen wird). Außerdem braucht man eine ausgezeichnete Beobachtungsgabe, denn die beste Technik nützt beim Fliegenfischen nicht viel, wenn man nicht in der Lage ist, die Bewegungen des Wassers und die Strömungen richtig zu interpretieren. „An der Bewegung des Wassers kann ich ablesen, dass da grade eine Forelle ist und auch, wie groß diese ist. Mit der Zeit lernt man einen Fluss kennen: Jede Forelle hat ihren Standort, von dem aus sie „einkaufen” geht, ganz wie wir.” Wenn man das Gespräch auf die Kajaks bringt, wird Robert verständlicherweise wütend: „Die Kajaks verscheuchen die Fische für mehrere Stunden. Kajak und Angeln, das passt einfach nicht zusammen!” Doch der Ärger ist schnell wieder verflogen und Robert Menquet erklärt, was ihm wirklich am Herzen liegt: „Angeln, das bedeutet unsere malträtierte Natur verteidigen, damit wir unseren Kindern eine Welt hinterlassen könne, in der es sich leben lässt. Unsere Zivilisation ist zerstörerisch; reines Wasser wird immer mehr zu einer Seltenheit werden.”
* Die Bachforelle ist eine Wildforelle, die in der Ariège besonders häufig anzutreffen ist. Man erkennt sie an ihrer rot-schwarz gefleckten Färbung. ** Die Regenbogenforelle stammt aus Nordamerika und wurde in Europa ursprünglich als Zuchtfisch eingeführt. *** Der amerikanische Seesaibling ist der größte aller Saiblinge. Er ist grau oder schwarz, mit einer unregelmäßigen gelben Fleckenzeichnung. |   |  | | Was man als Neuling wissen sollte | | Fliegenfischen ist die Kunst, einem Fisch so natürlich wie möglich einen Köder vorzuhalten (die so genannte Fliege, eine Insektenimitation hergestellt aus Federn oder Fell), den dieser für ein wirkliches Insekt hält und dann anbeißt. Es ist eine recht sportliche Art zu Angeln, die gleichzeitig viel Geschick erfordert. In der Ariège sind alle Varianten des Fliegenfischens möglich, von der Schwimmfliege über die Tauchfliege und den Streamer bis hin zur Nymphe. Im der Regel angelt man hier in Bächen oder Flüssen mit steinigem oder felsigen Untergrund, der entsprechend rutschig ist! „Ich kann Ihnen nur wärmsten empfehlen, Wathosen oder Watschuhe mit Filzsohlen zu tragen.”
Anglerlatein A4: Fliege, die von dem großen Angler Aimé Devaux erfunden wurde. Doppelte Wurfkraft: Wurftechnik beim Fliegenfischen, die sich für größere Distanzen eignet. Flugangeln: Eine sehr elegante, vor allem aber fischgerechte Angelmethode. Sie stellt höchste Anforderungen an Beobachtungsgabe und Reaktionsvermögen ist und gleichzeitig eine durch das dauernde Werfen und Waten sehr sportliche Art des Angelns. Nymphe: Köderform beim Fliegenfischen (Insektenimitation). Pheasant-tail: Fliege, die von dem großen englischen Angler Skues erfunden wurde und aus Fasanenfedern hergestellt wird (wörtlich "Fasanen-Schwanz"). Schwimmfliege: Insektennachbildung, die auf der Wasseroberfläche liegen bleibt. Spinnangeln: Das Wort Spinnfischen oder Spinnen kommt vom englischen Verb „to spin” (herumwirbeln/ herumdrehen) und bezeichnet die Bewegungsart der bei der Spinnfischerei verwendeten Köder. Streamer: Nachbildungen kleiner Fische.
Angelzeiten Bis zum 15 September auf den Gewässerläufen der ersten Kategorie (in denen Salmoniden vorherrschen); das ganz Jahr über auf den Wasserläufen der zweiten Kategorie (in denen Karpfenfische (oder Weißfische) vorherrschen). Die zugelassene Zahl der Salmoniden pro Angler liegt bei täglich 10. Das Angeln von Staudämmen oder Schleusen aus ist in der Ariège, als Lachsgewässerregion, verboten. | |  |  | |  | |  |  |