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REISEZIEL
 

Die Weißen Dörfer der Axarquía

01/08/02
Von Carmen Duerto

Man sagt, in Torrox herrsche das angenehmste Klima in ganz Europa, die Rosinen von Frigiliana seien einzigartig, Nerja sei der Balkon Europas und der Wein von Cómpeta verwirre die Sinne. Auf unserer Rundreise wollen wir uns selbst davon überzeugen...




Die vier Orte liegen im Osten der Provinz. Im Rücken schützten sie die Berge des Nationalparks der Sierras Almijara und Tejera vor dem Nordwind, während von Süden her die sanfte Brise des Mittelmeers weht und diese Gegend zu einem tropischen Obstgarten macht, in dem Avocados, Weintrauben, Rahmäpfel (Cherimoyas), Mangos und Papayas wachsen. Vor nicht allzu langer Zeit stritten die vier Orte noch um den Ehrentitel des weißesten und reinsten Dorfes der Region. Heute wird dieser Titel zwar nicht mehr offiziell verliehen, er lebt jedoch im Ruf der Orte und auf den Urlaubsphotos der Touristen weiter.
Mit Ausnahme von Nerja schmiegen sich die Dörfer an die steilen Hänge der Bergausläufer, als Zeugen einer Kultur, in der arabische Geschichte und christliches Brauchtum eng miteinander verknüpft sind. Tradition und der multikulturelle Ursprung all derer, die sich hier niedergelassen haben, sind hier ebenso lebendig wie die zahlreichen Legenden, die von Straßenräubern oder den Heldentaten der Toreros erzählen.




Von Malaga aus erreicht man Torrox in vierzig Minuten über die Schnellstraße in Richtung Almería. Es herrscht ein großer Kontrast zwischen dem Dorf, das sich, mit seinen engen Straßen mit Kopfsteinpflaster und zahlreichen blumengeschmückten Balkons, an den Hügel schmiegt, und dem drei Kilometer entfernten Küstenstreifen, der hauptsächlich von Deutschen bewohnt wird. An der Küste liegen ebenfalls der Leuchtturm von Torrox und die phönizischen Ruinen. Trotz seiner geringen Größe hat das Dorf gleich zwei Gerichtshöfe. Sehenswert ist insbesondere das Tribunal numéro un auf der Plaza de la Olla, ein wunderbares Gebäude mit einem typisch andalusischen Patio, sowie das alte Kloster, das heute als Kulturzentrum dient. Anfang Dezember wird in Torrox das jährliche Dorffest gefeiert. Der Bürgermeister lädt zu diesem Anlass alle Nachbarn und Besucher zu einem großen Festessen ein, bei dem Migas aus Griesmehl mit Fisch, ein typisch andalusisches Gericht, gereicht werden.




Von Torrox aus geht es dann bergauf nach Cómpeta, ein weißes Dorf inmitten von Weinbergen. Hier wird, aus den in der Sonne getrockneten Weintrauben, der berühmte Compéta-Wein hergestellt. Beim Gang durch das Dorf, wo man unweigerlich den mit Vorräten beladenen Eseln begegnet, die hier in den steilen Gassen immer noch das beste Transportmittel sind, lohnt es sich, einen Moment auf dem großen, achteckigen Platz zu verweilen. Später kann man sich in einem der Gasthöfe (alte, restaurierte Gehöfte), die an der Straße nach Frigiliana liegen, von den Mühen des Rundgangs erholen und neue Kräfte schöpfen.




Danach geht es weiter zu einem der schönsten weißen Dörfer der gesamten Provinz. Frigiliana weist, bei einem deutlich maurischen Einschlag, die typisch labyrinthische Bauweise der andalusischen Dörfer auf. In den engen, verwinkelten Gassen trifft man immer wieder auf kleine Altäre und christliche Heiligenstatuen, reich geschmückt mit frischen Blumen und Kerzen. Eine Besonderheit dieses Dorfes ist die Tatsache, dass es offiziell verboten ist, die Häuser in einer anderen Farbe als in weiß zu streichen. Sogar die Verwendung von PVC und Aluminium bei den Fenstern ist untersagt. Weißer Kalk, Holz und eine Reinheit, die fast schon an Besessenheit grenzt, bestimmen das Bild des Dorfes. Die Straßen bewahren ihr ursprüngliches, typisches Pflaster mit geometrischen Motiven. Zwölf Mosaiken, die im ganzen Dorf verteilt sind, illustrieren die Geschichte dieses malerischen Dorfs.