© Holger StrombergQualität, Frische und Respekt – das sind für Holger Stromberg die wichtigsten Faktoren für die Auswahl und Zubereitung der Produkte. Im EM-Mannschaftsquartier im noblen Hotel „Il Giardino“ in Ascona kredenzt Stromberg den Fußballern nach dem Training gern Bananen-Shakes, Fruchtspieße oder einen selbst gemachten Müsliriegel mit wenig Zucker.
„Das kommt prima an, jede kleine Aufmerksamkeit macht Laune“, freut sich Stromberg. In zwei Aluminiumkoffern hat er spezielle Gewürze und Zutaten ins Tessin mitgebracht, die ihm wichtig sind. „Mit dem Küchenchef des Hotels habe ich mich schon im Vorfeld ausgetauscht“, erzählt er. Stromberg hat eine Kochecke am Hotelbüffet aufgebaut, wo er vor dem Essen eine kleine Lebensmittelkunde für die Spieler abhält. „Das ist lehrreich und macht Spaß“, lacht Stromberg. Denn Essen muss Spaß machen. Egal, was man isst, ob Leberkäse, Currywurst oder Fischfrikadelle - aus jedem Gericht lässt sich etwas Gesundes und Gutes zaubern, findet er.
Der Westfale stammt aus einer Familie mit mehr als 200 Jahren Gastronomie-Tradition. Seit er laufen kann, dreht sich bei Stromberg alles ums Kochen. Bereits mit 22 Jahren wird er über Nacht berühmt und machte 1994 Furore als Deutschlands jüngster Sternekoch von Michelins Gnaden. Bevor er das schicke Restaurant Mark’s im Mandarin Oriental Hotel in München in den (Michelin-)Sternenhimmel und unter die Top 100 kochte, stellte Stromberg seine Kreativität im „Schwarzen Adler“ in Oberbergen (2 Michelin-Sterne) und im Straßburger
„Le Crocodile“ (3 Sterne) unter Beweis. Mittlerweile betreibt Stromberg in München die „kounge“, eine Veranstaltungslocation in Kombination aus Küche & Lounge, leitet gemeinsam mit seinem Chefkoch und Geschäftspartner Stephan Manier das elterliche Traditionsgasthaus im westfälischen Waltrop, außerdem das Restaurant „G“-Munich und einen florierenden Cateringbetrieb, der bis zu 2.000 Gäste verköstigen kann. Dabei reist Strombergs Team mit einer mobilen, komplett ausgestatteten Küche an, die eine Bewirtung an - fast - jedem Ort möglich macht.
In seinen vier Unternehmen an zwei Standorten beschäftigt er 35 Mitarbeiter. Die richtigen Leute zu finden und zu halten „ist sicher eine Stärke von mir“, sagt er. Als Boss muss er vor allem ein Top-Organisator sein, zumal der Cateringbetrieb bundesweit gefragt ist.
All diese Qualitäten haben offenbar auch Team-Manager Oliver Bierhoff überzeugt. Er hatte „im Stillen“ einen neuen Chefkoch für seine Fußballer gesucht. In Holger Stromberg fand er einen, der sogar einschlägige Erfahrung mitbringt: Acht Jahre lang, bis 2003, bekochte Stromberg die Kicker des VFL-Bochum.
Da er als Sternekoch und Top-Caterer bislang fast immer „für die Oberen Zehntausend“ angerichtet hat, bekommt Stromberg über die Nationalmannschaft nun Kontakt „zu normalen Gästen“. Denn er will auch „ran an die Fans“. Im Rahmen einer Art kulinarischen Feldzugs möchte Stromberg Interesse für natürliche Produkte und gutes Essen wecken. Er komme halt „aus der „Qualitäts- und Lustschiene“, und bessere Ernährung sei nun mal die Basis für ein besseres Leben.
Bei diesem Thema wird der extrovertierte Blonde auf einmal sehr ernst. Internet-Blogs, Rezepte, Kochbücher und Aktionen schweben ihm vor. Genau diese „Mission“ sei es gewesen, die ihn am Job des Fußballerkochs gereizt hat. Der DFB habe die richtige Menge und Masse hinter sich, um das zu bewegen, was Stromberg ein Herzensanliegen ist: Gutes, gesundes, lustvolles Essen für Alle. Am liebsten „lecker, sexy, gesund und frisch“.