Kulinarischer Streifzug durch Venedig und Chioggia
Italien, Venise
28-04-2008

Von Samuel Cogliati
Venedig ist keine Stadt wie jede andere, soviel ist klar. Manche Venezianer behaupten sogar, Venedig sei gar keine Stadt mehr, sondern nur noch die Darstellung ihrer selbst. Für die 50.000 Einwohner, die jährlich von 19 Millionen Touristen heimgesucht werden, verwandelt sich der venezianische Traum zuweilen in eine trübe Wirklichkeit. Die Inselgruppe in der Lagune ähnelt mehr und mehr einem Museum unter freiem Himmel, einer Kulisse ohne Innenleben. Vor einem solchen Hintergrund fragt man sich, was da noch an Lebensart übrig sein kann. Aber in dem Labyrinth aus Restaurants, Bars und Touristenfallen findet man tatsächlich noch eine Handvoll Adressen, die auch Venezianer aller Altersklassen nach wie vor gerne aufsuchen.


© S. Cogliati

Einstieg

Ein Schlemmertag könnte zum Beispiel mit einem vormittäglichen Aperitif in der Bar All’Arco in einer kleinen Gasse in der Nähe der Rialtobrücke beginnen.
 
Das All’Arco ist eines der wenigen noch existieren Beispiele für einen authentischen bàcaro, die traditionelle Kneipe, in der man früher den Venezianer beim Frühstücken an der Bar zusehen konnte, ein Frühstück, zu dem auch das eine oder andere Gläschen Wein, hier ombre genannt, gehörte. Der Hang zur Bar lässt sich vielleicht auch durch die verkehrstechnische Besonderheit der Stadt erklären. Schließlich riskiert hier niemand, betrunken am Steuer erwischt zu werden, denn „in Venedig fährt man nicht, man geht“, wie die Venezianer zu sagen pflegen.
 
Im Arco bekommt man wirklich gute cicchetti, venezianische Tapas, zu denen u.a. Brotscheiben mit Stockfischpüree, hart gekochte Eier mit Sardellen, Paninis mit Schinken oder pancetta und kleine gebratene Tintenfische gehören. Die Kneipe ist einfach und die hier eingeschenkten Weine sind es auch: Was das Arco attraktiv macht, ist nicht die Qualität des Weins, sondern die der cicchetti - und natürlich auch die urtümliche Atmosphäre, die hier herrscht.
 
Der Preis für ein Glas Wein liegt zwischen 2 und 5 €; planen Sie also rund zehn Euro ein, für zwei Gläser und ein paar leckere Häppchen dazu.


© S. Cogliati

Mittagessen ja nach Inspiration des Kochs

Um Ihren kulinarischen Spaziergang fortzusetzen, brauchen Sie anschließend nur den Canale Grande bei Rialto zu überqueren oder eine Gondel zu nehmen, um sich vom Gerichtsufer auf die Uferseite von Santa Sofia bringen zu lassen.
 
Das Restaurant La Cantina an der Strada Nuova wird nicht gleich Ihre Aufmerksamkeit auf sich ziehen: ein eher nichts sagendes Fenster und ein unauffälliges Schild. Dennoch lohnt sich der Besuch, denn seit 12 Jahren serviert Francesco Zorzetto hier von ihm persönlich ausgewählte Weine im Glas, sowie eine ebenfalls sehr persönliche Küche mit erlesenen Zutaten. Obwohl sich die technische Ausstattung auf das Wesentliche beschränkt (ein Grill und ein Ofen) gelingt es Francesco Zorzetto, seine Gäste, größtenteils Stammkunden, immer wieder von neuem zu verwöhnen, je nach Angebot des Marktes: Frischer Fisch, Schalentiere und Muscheln aus der Region, lokale Wurstwaren und manchmal sogar Wild, das alles von erstklassiger Qualität. Feste Regeln oder ein festes Menü gibt es nicht: Vertrauen Sie dem Koch, er wird Ihnen je nach Inspiration und Laune schon das Richtige zubereiten.
 
Eilig sollte man es hier allerdings nicht haben, und man darf sich auch nicht an Zorzettos manchmal etwas burschikosen Art stören. Und natürlich hat Qualität auch ihren Preis. Aber vor einem Teller mit köstlichen gebratenen Gambas und Jakobsmuscheln, begleitet von einem erfreulichen weißen Friulan (mit Hülsenmaischung) vergisst man schnell das schlechte Gewissen.
 
Aufschnitt- Käse oder Fischteller zu 6 € je 100 g. Wein im Glas ab 2,60 €. Für ein komplettes Essen sollte man 40/50 € einplanen.


© S. Cogliati

Draußen sitzen

Zum abendlichen Aperitif brauchen Sie sich nur zum Sestiere San Polo zu begeben und durch die Ruga dei Oresi zum Campo Bella Vienna zu gehen.
 
Dort wird Ihnen die kleine, historische Kneipe Al Marcà auffallen, die von drei jungen Freunden renoviert wurde und sich auf ein Ladenfenster und einen Tresen beschränkt. Hier spielt sich alles echt italienisch auf der Straße ab. Auf Schiefertafeln findet man eine Auswahl italienischer Weine, die meisten darunter aus Venetien. Man kann natürlich auch ein Glas spritz bestellen, einen Aperitif, der in dieser Gegend sehr in Mode ist, aus Weißwein und Selterwasser mit einem Schuss Likör (Aperol oder Campari). Den eventuellen kleinen Hunger zwischendurch kann man mit kleinen Sandwichs mit venezianischem Aufschnitt stillen, oder mir Frischkäse oder kleinen Fleisch- und Gemüsebällchen von Zanetti, einem Feinkostladen in Mestre.
 
Das Al Marcà erhebt nicht den Anspruch, etwas Besonderes zu sein aber man kann hier, an einem Tisch auf der Terrasse oder ganz einfach im Stehen auf dem alten Gemüsemarkt, eine angenehme Stunde verbringen. Preis für ein Glas Wein: 2 bis 5 €.


© S. Cogliati

Abendessen im besten Restaurant der Stadt

Abends dann erreicht der Genuss seinen Höhepunkt. Gehen Sie von der Piazza San Marco am Schiavoni-Ufer entlang und biegen Sie dann in die kleine Straße des Hotels Gabrielli ein.
 
Beim Campiello della Pescaria angelangt werden Sie eine schlichte, elegante Terrasse bemerken. Das Restaurant Al Covo ist jedem venezianischen Gourmet ein Begriff. Viele halten es ganz einfach für das beste Restaurant der Stadt, insbesondere was die Fischgerichte betrifft.
 
Seit 1986 räumen Cesare und Diane Benelli den Produkten der Lagune einen besonderen Platz auf der Karte ein, genauer gesagt dem Fisch und den Meeresfrüchten, die hier am Zusammenfluss von Meer und Lagune gedeihen, denn, wie Benelli erklärt: „An diesen Stellen, ist das Wasser sehr klar und reich an Nährstoffen. Man findet dort eine unglaubliche Vielfalt an Fischen und Schalentieren, um die uns die ganze Welt beneidet.“ Da es jedoch nur wenig Fischer gibt und die Konkurrenz der Produkte anderer Herkunft groß ist, wird es leider immer schwieriger, diese feinen Früchte des Meeres zu bekommen. „In der Küche gehen wir nach dem Subtraktions-Prinzip vor“, erklärt der Chef des Hauses. „Das bedeutet, dass wir von dem Rezept alles abziehen, was unnötig ist und die Hauptzutaten nicht aufwertet, sondern von ihnen ablenkt.“
 
Dem Fisch kommt dieses Prinzip sehr zugute, ganz gleich ob Goldbrasse, Seebarsch, Aal oder Petersfisch, und ganz besonders natürlich den Produkten der Lagune wie moéca, ein kleiner Krebs, der während des Panzerwechsels gefangen wird und im Teigmantel frittiert auf den Tisch kommt. Im Al Covo kann man Herkunft und Preis eines jeden Fisches nachprüfen. Die Rechnungen des Einkaufs sind öffentlich ausgestellt. Die Speisekarte dient nur der groben Orientierung, denn das Angebot an Speisen richtet sich danach, was der Markt gerade zu bieten hat. Vervollständigt wird das Angebot des Al Covo durch sorgfältig ausgewähltes Fleisch aus dem Piemont und ausgezeichnete Käsesorten.
 
Cesare Benelli ist auch ein hervorragender Weinkenner. Seine Weinkarte ist umfassend und abwechslungsreich, mit ausgezeichneten Crus aus Italien und Frankreich. Die besonderen Empfehlungen des Chefs sind mit einem kleinen Symbol gekennzeichnet.
 
Zum Abschluss ist ein Glas Moscato d’Asti, Vinsanto oder Recioto genau der richtige Begleiter zu den Süßspeisen, die von der Dame des Hauses zubereitet werden.
 
Degustationsmenü: 69 €.


© S. Cogliati

Quer durch die Lagune

Wenn Sie Lust haben, ein wenig Abstand vom Touristenrummel zu nehmen und einen authentischen kleinen Ort zu erleben, sollten Sie einen Ausflug nach Chioggia machen.
 
Diese hübsche Stadt auf einer Insel im Süden der Lagune (25 km Luftlinie von Venedig entfernt) ist zwar der Hauptstadt treu geblieben, besitzt jedoch einen sehr eigenständigen, etwas rustikaleren Charakter und ist bemüht, diesen zu pflegen.
 
Genau wie in Venedig sind auch hier die wirklich guten Adressen selten. Wenn man für Lokalkolorit empfänglich ist, sollte man auf eine morgendliche Zwischenmahlzeit (merenda) in der Enoteca del Teatro, einem nettem, schlichten Bistro voller Stammkunden, einkehren (ein Glas Wein kostet 2 bis 5 €).
 
Mittags kann man im Ristorante Palazzo schlemmen, denn so einfach und bescheiden dieses Restaurant auch anmutet, die Küche hat Niveau (Meeresfrüchte, Pasta und ausgezeichneter frittierter Fisch, lokal und frisch, versteht sich). Lassen Sie sich also nicht von der einfachen Einrichtung täuschen, sie ist im Grunde nichts weiter als ein Gleichnis für die Authentizität des Geschmacks (Essen à la carte zwischen 25 und 35 €).

Praktische Hinweise

Bar All’Arco
San Polo 436
Venedig
Tel.: +39 041 52 05 666
8.30 bis 15.00 Uhr. Sonntags und an Feiertagen geschlossen.
 
La cantina
Strada Nuova – Cannaregio 3689 – Venedig 
Tel.: +39 041 52 28 258
11.00 Uhr bis spät in die Nacht. Sonntags und montags geschlossen.
 
Bar Al Marcà
Campo Bella Vienna (Erberia)
San Polo 213
Venedig
Mob. : +39 346 83 40 660
9.00 bis 15.00 Uhr und 18.00 bis 21.00 Uhr. Sonntags und an Feiertagen geschlossen.
 
Restaurant Al Covo
Campiello della Pescaria
Castello 3968
Venedig
Tel. : +39 041 52 23 812
Mittwochs und donnerstags geschlossen.
 
Enoteca del teatro
Calle San Nicolò 468 – Chioggia
 
Ristorante Palazzo
Via Felice Cavallotti (calle Palazzo) 368
Chioggia
Tel.: +39 041 55 07 212
Sonntags und montags geschlossen.
 
Die Gondel ist heute noch immer ein wichtiges Transportmittel, um den Canale Grande zu überqueren – schließlich gibt es nur drei Brücken. Das Übersetzen vom einen zum anderen Ufer kostet 0,50 €. Eine Liste der Anleger finden Sie auf der Website www.gondolavenezia.it
Home
Loading...

Tourismus, Hotels & Restaurants

Streifzug durch das Land der 1000 Seen
Vom 28. Juli bis zum 25. September im Amberg.

Sommer-Sonderangebote

Angebot- Doppelzimmer mit Voraussbezahlung (bei Storinierung wird Summe nicht zurückerstattet), ab 150,00 € 
150 €/zim

Angebot – Doppelzimmer, 4 Nächte zum Preis von 3, ab € 171,75
171,75 €/ zim
Doppelzim Deluxe -Mindestaufenthalt 2 Nächte mit Frühstück + Willkommensgetränk + 2 Tage Frankfurt Card, ab 109,50 €
109,50 €/ zim

Doppelzimmer ab € 90,95
90,95 €/zim

Restaurant-Vorschläge

Nach einer Karriere in der Finanz kehrte Claudio Camilleri nach Malta zurück, um sich ganz seiner großen Leidenschaft, dem Kochen zu widmen.
Der Besuch in einem der alten Pubs am Themseufer lohnt sich nicht nur wegen des Biers …
 
In der Idylle der Sächsischen Schweiz, dem Elbsandsteingebirge, erfanden zwei Sportler vor 130 Jahren das so genannte „free climbing“ – das Freiklettern. Heute ist es der international vorherrschende Kletterstil.