04-07-2008
Starke Farben, geheimnisvolle Symbole: Joan Mirós Bilder erkennt man auf den ersten Blick. 120 Originalgrafiken zeigt vom 28. Juli bis zum 25. September die Ausstellung „Traumwelten“ im oberpfälzischen Amberg. „Für mich war Miró der Inbegriff der Freiheit – etwas Luftigeres, Gelösteres, Leichteres als alles, was ich je gesehen hatte. (...) Er ist so wahrhaftig Maler, dass es ihm reicht, drei Farbflecke auf die Leinwand fallen zu lassen, damit sie lebt und ein Bild wird“, lobt Alberto Giacometti, ein Zeitgenosse Joan Mirós, den katalanischen Maler. Dessen grafisches Werk ist jetzt im Amberger Congress Centrum zu sehen.  Person vor blauem Grund © Successió Miró / VG Bild - Kunst, Bonn 2008120 Originalexponate – manche kann man sogar kaufen Dass Joan Miró (1883 – 1983) nicht nur Maler, sondern auch leidenschaftlicher Grafiker war, ist vielen gar nicht bekannt. Erst in den dreißiger Jahren – da ist Miró immerhin schon um die fünfzig Jahre alt – entdeckt der Spanier die Kunst der Grafik für sich. Im Laufe der Jahre entwickelt er eine wahre Leidenschaft für Lithografie und Radierung, kombiniert mit einer enormen Experimentierfreudigkeit. So schafft er über Jahrzehnte hinweg ein gewaltiges grafisches Werk, dessen farbenfrohe Kunst die Menschen bis heute fasziniert. Über 1.300 Radierungen und 1.200 Lithografien enthält sein Werkverzeichnis. Mit der Ausstellung „Traumwelten“ präsentiert das Amberger Congress Centrum einen faszinierenden Überblick daraus: 120 Originalexponate zeigen Mirós grafisches Werk von den Anfängen bis zur Mitte der achtziger Jahre. Die erste Radierung „Daphnis und Chloé“ aus dem Jahr 1933 ist ebenso zu sehen, wie das erste illustrierte Buch „Es war eine kleine Elster“ aus dem Jahr 1928. Ebenso farbenfroh wie asketisch: Mirós grafisches Werk Während Mirós frühe Radierungen noch von der düsteren Stimmung des spanischen Bürgerkrieges beeinflusst sind, werden seine Bilder im Laufe der Zeit heller. Meist beschränkt sich der Künstler auf die Farben Rot, Gelb, Grün, Blau und etwas Schwarz. Reduziert und fast asketisch wirken die Formen: Punkte, Striche, Kleckse und Zeichen, die im Zusammenspiel dann aber eine erstaunliche Fülle offenbaren. Wenn auch Joan Mirós Kunst an prähistorische Höhlenmalereien oder Kinderzeichnungen erinnert, so steckt hinter seinen Bildern doch mehr als nur ein dekoratives Farb- und Formspiel. Genau betrachtet sind sie durchdachte Kompositionen eines Künstlers, der seine Fantasien in eine einfache, ursprüngliche Formen- und Farbensprache übersetzt. Wer einen echten Miró besitzen will, für den ist die Amberger Ausstellung ein Muss: Einige der Ausstellungsstücke kann man erwerben, im Shop stehen weitere Grafiken Joan Mirós zum Verkauf bereit.  Das Auge des Mondes © Successió Miró / VG Bild - Kunst, Bonn 2008Künstler mit Leib und Seele: Mirós Lebensweg Über 100 Jahre wird der katalanische Maler alt: 1893 in Barcelona geboren, stirbt Joan Miró 1983 auf Mallorca. Künstler durch und durch, arbeitet er bis ins hohe Alter. Doch bevor er diesen Lebensweg einschlagen kann, muss er seine Eltern überzeugen. Diese stehen seinem Wunsch, als Künstler sein Geld zu verdienen, skeptisch gegenüber. Zwar darf Joan Miró Kunst an der Kunstakademie in Barcelona und an der Academia Galí studieren, besucht aber außerdem eine Wirtschaftsschule – weil Vater und Mutter es so wollen. Anschließend arbeitet er als Buchhalter. Er muss erst einen Nervenzusammenbruch erleiden, bevor die Eltern der Künstlerkarriere zustimmen. Anfang der 20er-Jahre siedelt Miró nach Paris über. Er lernt Picasso kennen, tritt der Gruppe der Surrealisten bei und pflegt Kontakte zu anderen Künstlern wie Wassily Kandinsky, Paul Klee oder Matisse. Ab 1930 hat Joan Miró seinen unverwechselbaren, eigenen Stil gefunden. Zu dieser Zeit beginnt er, mit grafischen Techniken und verschiedenen Papiersorten zu experimentieren. Reisen nach Asien inspirieren ihn ebenso wie archaischen Höhlenzeichnungen seiner spanischen Heimat oder die katalanische Volkskunst: Miró entwickelt seine eigene heiter-abgründige Welt magischer Zeichen und Figuren. Selbst erdachte Symbole für Mann, Frau, Vogel, Mond oder Stern sind über Jahrzehnte die Fixpunkte seines Werks. Amberg – eine der schönsten mittelalterlichen Städte Europas Nicht nur die Miró-Ausstellung ist ein Grund, nach Amberg zu kommen. Das Städtchen zwischen Regensburg und Nürnberg zählt zu den am besten erhaltenen mittelalterlichen Stadtanlagen Europas. Hier spiegelt sich die fast 1000-jährige Geschichte der ehemals Kurfürstlichen Residenz in der Oberpfalz wider. Das Stadtbild mit seinen doppelt befestigten Mauern, Türmen und Toren zählt zu den eindruckvollsten Ortsansichten Bayerns. ACC – erste Adresse für Kunstliebhaber Das Amberger Congress Centrum (ACC) dient in erster Linie Kongressen und Tagungen für bis zu 1.000 Personen. Es hat sich in den letzten Jahren aber auch in der Kunstliebhaberszene einen Namen gemacht. Nach Picasso, Dalí, Goya, Hundertwasser und Chagall präsentiert das ACC mit Joan Mirós grafischem Werk ein weiteres Highlight europäischer Kunst. Praktische HinweiseAusstellung Joan Mirós „Traumwelten“ von Montag, 28.07., bis Donnerstag, 25.09.2008 Öffnungszeiten: Montag bis Sonntag 11.00 bis 19.00 Uhr, Donnerstag und Freitag 11.00 - 20.00 Uhr Information zur Stadt Amberg |