Walisische Salzwiesenlämmer
Vereinigtes Königreich, Portmeirion
23-06-2008

Von Michel Tanguy
Während die Burgen und Schlösser von Wales Touristen auf der Suche nach Geschichte(n) und alten Gemäuern anziehen, haben es die Salzwiesenlämmer Feinschmeckern angetan, die empfänglich für authentische, naturnahe Produkte sind. Mit 11 Millionen Schafen in der Hochsaison ist Wales der größte europäische Schaffleischerzeuger. Obwohl sie nicht ausschließlich in den walisischen Marschen aufwachsen, sind die Salzwiesenlämmer aus Wales etwas Besonderes: Sie zählen zu den wenigen, die noch ganz im Rhythmus der Jahreszeiten und in völliger Freiheit heranwachsen.
„Walisisches Salzwiesenlamm“ ist bisher zwar noch keine geschützte Ursprungsbezeichnung*, könnte es jedoch schon bald werden, denn die Tiere werden in 16 geografisch genau festgelegten Gebieten gezüchtet. Diese Gebiete sind als seenahe Weideflächen definiert, die mindestens zweimal im Jahr überflutet werden, mit einem Rückzugsbereich, in dem die Tiere bei starkem Hochwasser vor der Flut geschützt sind, und einer spezifischen Flora.
 
Queller, Halmione, Schlickgräser, Rotschwingel usw. müssen Teil der Nahrung dieser Schafe sein, denn nur dann dürfen sie die Bezeichnung „Salzwiesenlamm“ tragen. Darüber, dass diese strengen Vorgaben eingehalten werden, wachen mehrere kompetente Prüfstellen. Qualität und Rückverfolgbarkeit sind in der walisischen Schafzucht oberstes Gebot.
 
Die im März und April geborenen Lämmer bekommen zunächst Muttermilch so viel sie wollen. Nach vier bis sechs Wochen beginnen sie, selbst zu grasen. Die Pflanzen und Mineralstoffe der Salzwiesen sind ausschlaggebend für den typischen Geschmack des Fleisches.



© M. Tanguy

Schlemmerreise

Portmeirion ist ein kleines Paradies auf Erden. Das komplett der Fantasie des exzentrischen Architekten Sir Clough William Ellis entsprungene italienisch angehauchte Dorf ist ein ausgezeichneter Ausgangpunkt für Ausflüge durch Wales. Seine geografische Lage bietet beste Voraussetzungen zur Erkundung dieses Landes, in dem das Lamm König ist. Der kleine Ort, der sich an die Felsküste schmiegt, bietet außerdem einen herrlichen Blick auf die Bucht von Porthmadog, die Salzwiesen und die umliegenden Berge.
 
Wir raten Ihnen, hier nicht nur die Nacht zu verbringen, sondern auch zu dinieren. Die Zimmer sind geräumig und komfortabel und das Restaurant kann man uneingeschränkt empfehlen. Der Speisesaal im Stil der 30er Jahre ist herrlich und auf der Karte findet man viele lokale Erzeugnisse, sorgfältig zubereitet und angerichtet. Hinzu kommt ein ausgesprochen zuvorkommender Service.
 
Bevor Sie zum Snowdonia Nationalpark aufbrechen, oder nach Cowny, einer etwas weiter nördlich an der Küste gelegenen Stadt, die Teil des UNESCO Welterbes ist, sollten Sie sich die Zeit nehmen, das Dorf ein wenig ausführlicher zu erkunden, um die architektonische Vielfalt und die Bäume und exotischen Pflanzen des angrenzenden Wäldchens zu bewundern. Und versäumen Sie auf keinen Fall den Sonnenaufgang: einfach wunderbar.
 
*Geschützte Ursprungsbezeichnung: 1992 von der EU eingeführtes Siegel, das die Bezeichnung von Produkten schützt, deren „Erzeugung, Verarbeitung und Herstellung in einem bestimmten geographischen Gebiet nach einem anerkannten und festgelegten Verfahren erfolgen“.

Praktische Hinweise

 Anfahrt nach Portmeirion
Von Liverpool aus: Nehmen Sie die M57, dann die M56 und schließlich bei Cowny die A55 bis. Fahren Sie weiter bis Bangor und nehmen Sie dort die A487 bis Caernarfon und Porthmadog. Dieser Weg ist nicht der kürzeste, aber er vermittelt einen ersten schönen Eindruck von der walisischen Küste. In Porthmadog brauchen Sie dann nur noch auf der A496 in Richtung Penrhyndeudraeth weiterzufahren, um nach Portmeirion zu gelangen.
 
Merfyn Evans, Metzger in Porthmadog
Eine hervorragende Adresse. Er liefert auch das Fleisch, das im Restaurant von Portmeirion serviert wird.
 
Metzgerei „Edwards of Cowny“
18, High Street
Ideal um ein par leckere kulinarische Mitbringsel einzukaufen.
 
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